pilum

2013/08/07

Dichtung und Wahrheit | Serien

In der letzten Geschichte habe ich über Realität, die nicht sichtbar ist  und Fiktionen, die real erscheinen, sinniert.

Die sichtbarste Form der Fiktion ist das Geschäft der Filmindustrie. Daran ist nichts auszusetzen, weil wir genau das erwarten, schliesslich wollen wir vom Alltag abgelenkt und unterhalten werden.

Ausdrücklich davon ausnehmen möchte ich Dokumentarfilme, weil deren Ziel ein anderes ist und es zynisch wäre, Berichte über Kriegsgeschehen unter den Verdacht der Fiktion zu stellen.

Zurück zur Filmunterhaltung. Obwohl wir wissen, dass die Geschichten erfunden und die Schauspieler nicht mit den von ihnen dargestellten Figuren identisch sind, scheint es auf uns anders zu wirken. Zumindest ist das eine mögliche Erklärung dafür, warum einige Schauspieler – manchmal selbst gegen ihren eigenen Wunsch – immer ähnliche Rollen besetzen. Insider meinen vielleicht, dass jemand für das Fach des Dramas besser geeignet sei, als für Komödien und umgekehrt oder Filmgesellschaften wollen ein gut funktionierendes System nicht unterbrechen.

Dennoch scheint das nur die halbe Wahrheit zu sein. Das Fernsehen beglückt uns mit einer nicht enden wollenden Anzahl von Serien. Dieses Sendungsformat zeichnet sich dadurch aus, dass die einzelnen Episoden zwar jeweils in sich abgeschlossene Geschichten sind, jedoch alle Episoden mit denselben Rollen besetzt sind. Jede Serie hat bestimmte Muster, die von einer Episode zur andren nur leicht variieren.

Von „Lassie“ über „Bonanza“ bis zu den Simpsons kennen wir das Standard-Team, das eine verschworene Gemeinschaft gegen den Rest der Welt darstellt. Sie müssen zugeben, dass sich das alles sehr repetitiv und langweilig anhört. Dennoch scheinen Serien oder gewisse Charaktere einen Platz in unserem Wohnzimmer zu finden und wenn man die Anzahl der Episoden gewisser Serien betrachtet, dauert es offensichtlich sehr lange, bis wir die Geduld verlieren und sie aus dem Haus werfen. Vielleicht bringen Serien eine Art Stabilität in den hektischen Alltag und bilden einen wohltuenden Gegensatz zu den Nachrichten.

Serien sind auch ein Forschungsobjekt der Medienwissenschaften.  Die Untersuchungsergebnisse sind mir nicht bekannt, aber ich glaube, dass diese fiktiven Charaktere uns aus unterschiedlichen Gründen sympathisch – oder auch nicht – sind. Ob es echte Schauspieler oder Comic-Figuren sind, scheint auch keine Rolle zu spielen. Der gelbe Bart Simpson mit seiner Igelfrisur erfreut sich vermutlich grösserer Beliebtheit als der coolste Kommissar einer Krimi-Serie. Ich selbst ziehe Wilma Flintstone – die Comic-Figur -  jedem anderen Serien-Star vor.  Warum? Sie bringt mich zum Lachen, was schon ziemlich real ist, oder?

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