pilum

2013/08/28

Dichtung und Wahrheit | Zooinverse

Ein weiterer Teil der künstlichen Intelligenz ist Mustererkennung. Nicht, dass ich eine Expertin darin wäre, aber es scheint, als sei das eine echte digitale Herausforderung.

Beispielsweise gibt es Wissenschaftsprojekt namens Zooinverse. Darin kann jeder Laie helfen, Buchstaben alter Handschriften mittels Vergleich zu entziffern oder die Grösse von Kratern auf Planeten anhand einer Tabelle zu kategorisieren. Während das eine ziemlich basale Fähigkeit des menschlichen Gehirns ist, stellt es für die Informatik eine erhebliche Herausforderung dar. Unsere Spezies hätte vermutlich nicht überlebt, wenn sie giftige Beeren nicht von essbaren unterscheiden könnte.

Um zurück zur Frage nach Fiktion und Realität zu kommen, sei gesagt, dass diese „realistischen“ Vergleiche auf Bildern von Planeten gemacht werden, die keiner von uns je aus der Nähe sehen wird. Die Konterfeis sind von einer Raumsonde aufgenommen und per Satellit zu uns gebeamt worden.

Soweit es mich betrifft, habe ich den Überblick zwischen Dichtung und Wahrheit verloren und möchte mit einem (fiktiven) Gespräch zwischen einem Astronauten und einem Gehirnchirurgen schliessen:

Der Chirurg höhnt: „Ich bin durchs Weltall gereist, habe aber noch nie einen Engel gesehen.“

Antwortet der Angesprochene: „Ich operiere Gehirne und habe noch nie einen Gedanken gesehen.“

Unnötig zu sagen, dass ich Gedanken für realer halte als Engel. Ob ich damit Recht habe, wissen die Götter, deren Realität sich wiederum in den Gedanken des Einzelnen befindet.

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2013/08/21

Dichtung und Wahrheit | Siri & Co.

Siri nervt! Zumindest mich und ich bin froh, dass man sie deaktivieren kann. Siri ist nicht irgendeine Dame, sondern nur deren Stimme. Die Stimme eines Spracherkennungsprogramms nämlich, das dem Apple-Konzern gehört und in den neueren Mobilprodukten dieses Unternehmens eingebaut ist. Ihr eigentlicher Auftrag ist der einer persönlichen Assistentin, die einem auf bestimmte Fragen antwortet. Siri hat eine natürlich klingende Stimme und einen Hauch von künstlicher Intelligenz.

Während der ersten paar Standardfragen klingt sie ganz vernünftig und ihre Antworten sind durchaus brauchbar. Auch die Kommandos, die man sonst über die Tastatur steuern müsste, führt sie korrekt und widerspruchslos aus. Sollten Sie allerdings der Versuchung erliegen, sie zum Diktat zu bitten, kann ich nur zu viel Geduld raten, denn Siris Gedächtnis ist schnell überlastet und Sie sollten Ihre Sätze kurz fassen und mit dem Befehl „fertig“ beenden, damit sie weiss, dass der Text jetzt digital ausgegeben werden muss. Und denken Sie daran: lange Sätze überfordern Siris Aufmerksamkeitsspanne. Das sollte sich Ihre Assistentin erlauben!

Seien wir nachsichtig mit Siri, schliesslich ist sie eine Spracherkennungssoftware und gehört in ein Teilgebiet der Informatik, welches unter dem Namen Künstliche Intelligenz bekannt ist.

Computer-Spiele basieren ebenfalls auf dieser Technologie. Da ein Spiel eine endliche Anzahl von Möglichkeiten hat, können diese – selbst wenn es Millionen sind – programmiert werden, so dass das System immer weiss, was zu tun ist. Keine Frage, alle Routine-Arbeiten kann eine Maschine schneller und besser erledigen, als Menschen, die noch anderen Einflüssen ausgesetzt sind.

Der Sprache hingegen sind kaum kombinatorische Grenzen gesetzt und es lässt sich bekanntlich schlecht vorhersagen, was das Gegenüber als nächstes sagen wird.

Wir sehen also, Künstliche Intelligenz hat ihre Grenzen, was nicht zuletzt an den Tücken des Begriffs Intelligenz liegt.

Einerseits halten wir Intelligenz für real, haben es andererseits aber noch nicht geschafft, eine eindeutige Definition dieses Begriffs zu liefern. Das hindert uns aber nicht daran, Test zu entwickeln, die am Ende eine Zahl ergeben, die unseren Intelligenzgrad angeben soll. So virtuell das alles ist, es schlägt sich in unserer Welt nieder. Ein Beispiel ist der so genannte Mensa-Club, der Menschen aufnimmt, die einen IQ-Test mit mindestens 130 abgeschlossen haben. Die Beobachtung, wie sehr einige darum kämpfen, in diese Vereinigung aufgenommen zu werden, lässt mich an der Realität ihrer Intelligenz zweifeln.

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2013/08/14

Dichtung und Wahrheit | Titel, Wissen, Job

Filed under: mehr als IT. deutsch. — Tags: , , — supernova @ 12:15 AM

Dass Wissen das grösste Kapital unserer Zeit ist, steht kaum in Frage. Oder reden wir nur von Titeln?

2011 ist einem deutschen Politiker der Doktortitel aufgrund einer Plagiatsaffäre aberkannt worden. Seit diesem Zeitpunkt scheinen sich die Entdeckungen von Arbeiten, die sich entweder durch einen etwas lockeren Umgang mit dem geistigen Eigentum anderer auszeichnen oder gekauft sind, zu häufen.

Letzten Monat hat die ETH einer Politikerin einen Abschluss aberkannt, weil sie mit fremdem Wissen hausiert hat. Die Betroffene hat sich abwechslungsweise mit Unwissen bezüglich der Zitierungsregeln und einem politischen Angriff seitens ihrer Gegner herausgeredet. Die Hochschule hat ein klares Regelwerk dazu, was das vorgeschützte Unwissen – das, wie eine Politikerin zweifelsohne weiss, vor Strafe nicht schützt – gegenstandslos macht.

Seit ein paar Tagen wissen wir auch, dass der Direktor der Informations- und Kommunikationstechnologie am Universitätsspital Zürich seinen Posten räumen wird, weil sein Doktorgrad von einer zwar nicht akkreditierten, aber dafür käuflichen amerikanischen Universität stammt.

Natürlich schliesst das keineswegs aus, dass diese Personen einen tadellosen Job machen und tatsächlich gebildet sind.

Dennoch beleuchten die fremden Federn eine andere Facette meines aktuellen Themas, das sich mit Fiktion und Wirklichkeit befasst. Die fiktiven Titel führen im einen oder anderen Fall wohl zu sehr realen Ergebnissen in Form höherer Positionen. Nur jene, welche das Pech haben, erwischt zu werden, fallen – zumindest vorübergehend – vom Olymp.

Vertrat Gottfried Keller noch die Ansicht, dass Kleider Leute machen, scheint diese Weisheit ein Update erhalten zu haben. Titel bedeuten automatisch Bildung und Wissen.

Bevor Sie fragen: die Autorin führt keinen Doktortitel; nicht einmal für Projektrettung.

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2013/08/07

Dichtung und Wahrheit | Serien

In der letzten Geschichte habe ich über Realität, die nicht sichtbar ist  und Fiktionen, die real erscheinen, sinniert.

Die sichtbarste Form der Fiktion ist das Geschäft der Filmindustrie. Daran ist nichts auszusetzen, weil wir genau das erwarten, schliesslich wollen wir vom Alltag abgelenkt und unterhalten werden.

Ausdrücklich davon ausnehmen möchte ich Dokumentarfilme, weil deren Ziel ein anderes ist und es zynisch wäre, Berichte über Kriegsgeschehen unter den Verdacht der Fiktion zu stellen.

Zurück zur Filmunterhaltung. Obwohl wir wissen, dass die Geschichten erfunden und die Schauspieler nicht mit den von ihnen dargestellten Figuren identisch sind, scheint es auf uns anders zu wirken. Zumindest ist das eine mögliche Erklärung dafür, warum einige Schauspieler – manchmal selbst gegen ihren eigenen Wunsch – immer ähnliche Rollen besetzen. Insider meinen vielleicht, dass jemand für das Fach des Dramas besser geeignet sei, als für Komödien und umgekehrt oder Filmgesellschaften wollen ein gut funktionierendes System nicht unterbrechen.

Dennoch scheint das nur die halbe Wahrheit zu sein. Das Fernsehen beglückt uns mit einer nicht enden wollenden Anzahl von Serien. Dieses Sendungsformat zeichnet sich dadurch aus, dass die einzelnen Episoden zwar jeweils in sich abgeschlossene Geschichten sind, jedoch alle Episoden mit denselben Rollen besetzt sind. Jede Serie hat bestimmte Muster, die von einer Episode zur andren nur leicht variieren.

Von „Lassie“ über „Bonanza“ bis zu den Simpsons kennen wir das Standard-Team, das eine verschworene Gemeinschaft gegen den Rest der Welt darstellt. Sie müssen zugeben, dass sich das alles sehr repetitiv und langweilig anhört. Dennoch scheinen Serien oder gewisse Charaktere einen Platz in unserem Wohnzimmer zu finden und wenn man die Anzahl der Episoden gewisser Serien betrachtet, dauert es offensichtlich sehr lange, bis wir die Geduld verlieren und sie aus dem Haus werfen. Vielleicht bringen Serien eine Art Stabilität in den hektischen Alltag und bilden einen wohltuenden Gegensatz zu den Nachrichten.

Serien sind auch ein Forschungsobjekt der Medienwissenschaften.  Die Untersuchungsergebnisse sind mir nicht bekannt, aber ich glaube, dass diese fiktiven Charaktere uns aus unterschiedlichen Gründen sympathisch – oder auch nicht – sind. Ob es echte Schauspieler oder Comic-Figuren sind, scheint auch keine Rolle zu spielen. Der gelbe Bart Simpson mit seiner Igelfrisur erfreut sich vermutlich grösserer Beliebtheit als der coolste Kommissar einer Krimi-Serie. Ich selbst ziehe Wilma Flintstone – die Comic-Figur -  jedem anderen Serien-Star vor.  Warum? Sie bringt mich zum Lachen, was schon ziemlich real ist, oder?

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2013/07/31

Story 08 | 2013 | Dichtung und Wahrheit.

Filed under: story.deutsch. — Tags: , , — supernova @ 12:05 AM

Kennen Sie Robert Langdon? Nein? Ich bitte Sie, der Mann ist immerhin Harvard-Professor und ein angesehener Historiker.

Wenn ich dieselbe Frage zu Goethe stelle, werden Sie alle denken: „Klar, kenn ich Goethe, für wie dämlich hält die mich?!“ Mit Sicherheit werden Sie wissen, dass er ein grosser Dichter war und vermutlich ist ihnen auch bekannt, dass er sich auch als Maler, Wissenschaftler und Staatsmann betätigte.

Wissen Sie was? Sie kennen Goethe eigentlich genauso wenig wie Langdon. Für alle, die – im Gegensatz zu mir – die Romane des Schriftstellers Dan Brown nicht verschlingen: Robert Langdon ist eine Kunstfigur und der Protagonist in vier von Dan Browns Romanen. In den verfilmten Werken wurde er bisher von Tom Hanks dargestellt.

 

Ich gebe zu, dass Goethes reale Existenz ziemlich gut dokumentiert ist, wir können erhaltene Briefe, die er geschrieben bzw. bekommen hat, lesen, den „Faust“ oder seine Farbenlehre studieren. Aber was sagt das darüber aus, wie die Person Johann Wolfgang Goethe wirklich war? Nicht viel, meine ich. Selbst, wenn wir seine Autobiografie lesen, deren Titel ich für diesen Artikel übernommen habe, lesen wir nur das, was der Autor uns wissen lassen will. Vielleicht wäre er ja sehr betupft, dass seine Überschrift für eine profane Kolumne hergenommen wurde.

Dan Brown hat seinen Protagonisten – wie jeder Schriftsteller es tut – mit einer Biografie und ein paar Eigenheiten und Schwächen ausgestattet. Immerhin weiss man beispielsweise, dass der Professor an Klaustrophobie leidet. Wissen Sie, ob Goethe kleine geschlossene Räume mied? Aus erster Hand, meine ich. Ich muss leider passen.

Passen muss ich auch bei der Definition von Realität, denn wenn ich über Browns Romanfigur oder über Goethe nachdenke, erscheinen sie in  meinem Kopf mit demselben Grad an Echtheit. Offenbar sind auch Dinge, die wir nicht sehen oder anfassen können, Realität. Zumindest halte ich meine Gedanken, auch wenn sie sich mit künstlichen Professoren befassen, für real.

In den folgenden Artikeln werde ich dafür plädieren, dass Dichtung und Wahrheit sich zu überschneiden scheinen bzw. wir sie nicht so klar voneinander trennen können, wie landläufig angenommen wird und wie sehr sich dieser Umstand auch in der Informatik bemerkbar macht.

Bis nächsten Mittwoch.

 

2013/07/24

Lob der Macht

Filed under: mehr als IT. deutsch. — Tags: , , , , — supernova @ 12:09 AM

Macht ist ein sehr aktuelles Thema mit schlechter Presse. Dabei ist Macht an sich etwas sehr positives, dessen Gegenteil die Ohnmacht ist. Das Substantiv Macht hat mit dem Verb machen zu tun, welches doch einiges an Kompetenz etwas bewegen zu können, in sich trägt. Ohnmacht hingegen, ist buchstäblich ohne Macht und damit tatenlos.

Das Problem, das die Macht hat, ist, dass die meisten von uns vor allem an deren Missbrauch denken. Mehr als 1000 Näherinnen verbrennen, weil ihr Vorgesetzter sie trotz des desolaten Zustands des Fabrikgebäudes zwingt, weiterzuarbeiten, irgendwelche Raffgeier höhlen ganze Unternehmen aus und Staatsoberhäupter werden in Ruby- und andern Prozessen verurteilt. Letzteres ist zwar irgendwie tröstlich, dass es jeweils so lange dauert, hingegen ernüchternd.

Machtmissbrauch scheint eng mit Geldgier und übertriebenem Geltungsdrang verbunden zu sein. Damit drängt sich die Frage auf, ob Macht grundsätzlich in die Hände der falschen Leute gerät.

Ich vermute vielmehr, dass es so ist, wie immer. Die schwarzen Schafe fallen am meisten auf und machen die besten Schlagzeilen, weshalb die meisten von uns einfach  keine «vernünftigen» Mächtigen kennen.

Macht hat ja auch viel mit Verantwortung zu tun und davon können und wollen Menschen nur eine gewisse Menge tragen. Ich nehme an, die Verantwortungsvollen halsen nur so viel Macht auf, wie sie managen können, während die anderen die Regenbogenpresse beschäftigen.

Da Verantwortung positiv konnotiert ist, kommen wir auch wieder zur positiven Sicht auf die Macht zurück. Zumindest in unseren Breitengraden sind wir nämlich sowohl selbstverantwortlich als auch selbstmächtig.

2013/07/17

Philosophie 4 | Philosophie im Projektalltag?

Zugegeben, die Frage, was genau Platon und Aristoteles in einem IT-Projekt zu suchen haben, ist gerechtfertigt.

Bei aller Geistesgrösse möchte ich auch keinen der beiden am Projektplan arbeiten lassen und es wäre mir auch nicht recht, wenn Immanuel Kant den Business Case schriebe.

Aber ganz zu Anfang habe ich erwähnt, dass Philosophie das Denken lehre und über Aussagelogik und diversen Theorien gesprochen.

Die Basis

Eigentlich sind das alles ganz basale Fähigkeiten, die sich in verschiedenen Gebieten anwenden lassen. Viele Philosophen sehen ihre Disziplin deshalb eher als Grundlage anderer Wissenschaften, denn als Wissenschaft für sich.

Wer einen Text auf Aussagelogik überprüft, macht nichts anderes als eine Analyse, indem er ganz genau liest. In einer Projektanalyse muss man bei den Interviews ganz genau hinhören, daraus einen roten Faden spinnen und auch die Projektdokumentation wird nach diesem System überprüft. Und das Leid mit den vielen Theorien kennt wohl jeder Projektleiter, der in seinem Projekt mehrere Abteilungen oder Firmen mit unterschiedlichen Interessen unter einen Hut kriegen muss.

Bei einer Projektrettung gibt es zusätzlich noch die Theorien darüber, welche Faktoren das Unterfangen entgleisen liessen. Um die relevanten Aussagen herauszufiltern,  muss man die richtigen Fragen stellen. Und wie ich schon sagte, lehrt die Philosophie einen das ganz besonders.

Unterhaltung

Falls Sie unsere Newsletters unterhaltsam finden, kann das durchaus damit zu tun haben, dass in der Philosophie auf Rhetorik (lateinisch Eloquentia) besonders viel Wert gelegt wird. :-)

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Dies ist vorerst der letzte Teil der philosophischen Zusammenhänge. Wenn Sie die früheren Artikel zu diesem Thema lesen möchten, klicken Sie bitte auf folgende Links.

2013/07/10

Philosophie 3 | Was macht Philosophie schwierig?

Bei genauerem Hinsehen – eigentlich sollte ich «hinlesen» sagen – ist Philosophie oft eine komplexe Angelegenheit.

Das hat sicher viele Gründe. Das hier ist meine Liste:

Sprache

Gehen wir einmal von den deutschen Philosophen aus. Wenn man deren Muttersprache teilt, müsste man ja annehmen, dass die es einem etwas leichter machen. Welch fataler Irrtum! Die Texte von Immanuel Kant beispielsweise sind nicht nur inhaltlich anspruchsvoll, sondern der Sprachstil muss bei vielen Schriften geradezu als hölzern bezeichnet werden. Andere wiederum verstehen sich als begnadete Etymologen, was alles sehr eindrucksvoll aussehen lässt, aber vom Inhalt nur bedingt bestätigt wird.

Theorien

Sprache und Theorie sind nicht immer zu trennen. Jemand, der eine Theorie entwickelt, die sehr weit vom Denken seiner Zeitgenossen entfernt ist, muss die Dinge oft mit ungewohnten Begriffen beschreiben. Wir werden wieder einmal Platon bemühen. Zu seiner Zeit gab es noch keine mathematische Sprache, weil diese Art des abstrakten Denkens von ihm gerade erst erfunden wurde. Deshalb ist sein entsprechender Text wirklich schwer zu verstehen. Er wirkt ungelenk, obwohl der Inhalt in meinen Augen als genial bezeichnet werden muss. Und selbstverständlich gibt es Theorien, die einem einleuchtender erscheinen als andere.

Logik

Philosophiestudenten müssen einen Logikkurs absolvieren, um Aussagen auf deren formale Korrektheit überprüfen zu können. Nicht nur, dass der Kurs staubtrocken ist, die Anwendung steht oft diametral zur Intuition. Selbst der haarsträubendste Inhalt kann zu formal korrekten Ergebnissen führen.

Die Qual der Wahl

Wie bereits erwähnt, gibt es seit ca. 2500 Jahren philosophische Lektüre. Auf der einen Seite ist dieser Reichtum unbezahlbar, auf der anderen nicht zu bewältigen. Allein schon alle so genannten Standardwerke zu lesen, übersteigt ein herkömmliches Studium. Ich habe der schieren Verzweiflung entgegengewirkt, indem ich mich für bestimmte Fragen und Epochen besonders zu interessieren begann. Ein Universalgenie wird man dadurch zwar nicht, aber immerhin hat man in einigen Themen einigermassen den Durchblick.

Geduld

Geduld ist die grösste Herausforderung für mich. Manchmal sucht man ewig, um beim Schreiben eines Aufsatzes weiterzukommen und es braucht wirklich Ausdauer, die eigenen Thesen  in einer Arbeit einwandfrei zu begründen.  Am schlimmsten sind für mich jedoch Autoren, die sich eines pathetischen Schreibstils bedienen, weil ich mich dann nicht mehr auf den Inhalt zu konzentrieren vermag. Ein Professor hat mir deshalb Recht einmal das Attribut «stilgetrieben» verliehen.

Und wo wir gerade bei Geduld sind: Ich habe Ihre auch schon ziemlich strapaziert, weil ich Ihnen immer noch die Anwendung der Philosophie im Projektalltag erklären sollte.

Die Erklärung erfolgt nächsten Mittwoch. Versprochen!
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2013/07/03

Philosophie 2 | Die Mathematik der Philosophie

Vor einiger Zeit hat eine Juristin bemerkt, dass das Studium der Philosophie eher anspruchslos sei. Auf meinen verständnislosen Blick reagierend meinte sie dann: «Na ja, es ist nicht wirklich schwierig, so wie Mathematik.»

Die Autorin ist keine Mathematikerin und kann über dieses Fach (leider!) wenig Qualifiziertes sagen.

Was ich aber sagen kann, ist, dass ursprünglich alle Mathematiker Philosophen waren, da die scharfe Trennung eine relativ neue Erscheinung ist. Die ersten Mathematiker, von denen wir wissen, sind die Pythagoreer, eine Gruppe von Philosophen, die sich im Dunstkreis des Pythagoras im 6. Jh. v. Chr. bewegten. Sie erinnern sich an den Satz des Pythagoras, nicht wahr? Für die Pythagoreer waren Zahlen aber nicht in erster Linie Zeichen, die eine Anzahl beschreiben, sondern sie waren selbst konkrete Wesen mit Eigenschaften und dass sie in Harmonie zueinander standen, war für die Welt selbst bedeutsam.

Bis zu Isaac Newton, der selbst noch Theologie studiert hatte und zu seiner Zeit als Philosoph bezeichnet wurde, war die Mathematik des griechischen Philosophen Platon das Mass aller Dinge. Newtons Hauptwerk, das 1687 erschien, hiess im Original übrigens «Philosophiae Naturalis Principia Mathematica» und der platonische Dialog, der auf das 4. Jh. v. Chr. datiert wird, ist unter dem Namen «Timaios» bekannt und offenbar sehr praxiserprobt, denn die Proportionen der Kathedrale von Chartres sind nach dem dort beschriebenen System ausgelegt worden.

Schön wärs!

Selbst Johannes Kepler hat sich nicht nur um Mathematik und Astronomie verdient gemacht, sondern sich auch stark mit den platonischen Körpern (und die sind alles, ausser einfach) befasst und angenommen, dass die Welt aus solchen bestünde.

Auch wenn ich von Mathematik herzlich wenig verstehe, habe ich für Keplers Theorie viel übrig, weil wir dann wenigstens eine verbindliche Antwort über das Wesen der Welt hätten, ich mit der Philosophie abschliessen und mich der Geometrie widmen könnte.

Nun, bisher hat sich Keplers Theorie in der Hinsicht nicht bestätigt. Daher werde ich weiterhin über Philosophie schreiben. Inwiefern diese schwierig sein kann, lesen Sie nächste Woche. Bis nächsten Mittwoch.

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Den ersten Teil zum Thema Philosophie können sie auf unserem Blog nachlesen.

2013/06/26

Story 07 | 2013 | Philosophie 1

Seit Wochen berichten wir über Social Media, Change-Management und Wachstum. Damit es nicht einseitig, wird habe ich entschieden, im Juli über philosophische Themen zu schreiben.

Was Philosophie nicht ist.

Vielleicht ist es klug, damit zu beginnen, was Philosophie NICHT ist.

Da ich dieses Fach studiert habe, wird mir oft unterstellt, dass man mit mir besonders gut diskutieren könne. Das mag sein, aber es hat wenig mit Philosophie zu tun.

Ich bin daher jeweils wenig geschmeichelt, weil ich im Unterton dieses Kommentars immer die Gleichung «Philosophie = Freies Assoziieren» höre. Und glauben Sie mir: Das hat wirklich gar nichts mit Philosophie zu tun. Weshalb das so ist und ich darauf etwas allergisch reagiere, erfahren Sie in einer Minute.

Was Philosophie leider auch nicht leistet, sind absolute Antworten auf alle grossen Fragen wie etwa die nach dem Sinn des Lebens oder dessen Entstehung. Wer absolute Antworten möchte, ist bei der Theologie zweifellos besser aufgehoben.

Also, was ist Philosophie?

Auch dazu, was Philosophie ist oder leistet, kann ich nur meine persönliche Ansicht anbieten. Die etymologische Erklärung, dass der griechische Begriff «philosophia» Liebe zur Weisheit bedeutet, dürfte die Frage auch nicht erschöpfend beantworten.

Philosophie ist eine Disziplin, die versucht, die Welt zu deuten. Dabei bezieht sie sich oft auf andere Wissenschaften oder bildet deren Grundlage, ohne selbst Teil davon zu sein. Allein, wenn man sich mit der abendländischen Version befasst (also die gesamten fernöstlichen oder schamanischen Weisheiten ausser Acht lässt), liest man gegen rund 2600 Jahre an, was die Tatsache, dass es zu jeden Thema viele Theorien gibt, augenscheinlich macht.

Damit dürfte auch geklärt sein, warum weder ich noch jemand anderes, der sich mit Philosophie befasst, endgültige Antworten geben kann. Aber wir können die besseren Fragen stellen!

Auf die Frage, was die Philosophie leistet, lautet meine Antwort, dass sie einen das Denken lehrt. Damit will ich keines Falls behaupten, dass alle anderen keinen klaren Gedanken fassen können. Was ich wirklich sagen will, ist, dass man sich konsequent in die Schuhe eines bestimmten Philosophen stellen muss, wenn man dessen Theorie – auch vor dem Hintergrund seiner Zeit und kulturellen Herkunft – verstehen will und seinen Gedanken folgen muss. Philosophie hat viel mit Logik und wie gesagt  wenig mit Assoziation zu tun.

In den nächsten Wochen erfahren Sie, was Philosophie mit Mathematik zu tun hat, weshalb sie schwierig sein kann und wie man sie im Projektalltag unterbringt.  Bis nächsten Mittwoch.

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Die monatlichen Storys  stehen jeweils auch als PDF auf unserer Website zur Verfügung.

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